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Queen: “Wir erfinden uns gerade neu!”

Das Interview zum Wien-Konzert: Brain May, Roger Taylor und Adam Lambert über den neuen Sänger, das Mercury-Erbe, die Tücken des Michael-Jackson-Duetts, John Deacon und unveröffentlichte Songs.

Sie rocken heute mit Adam Lambert die Stadthalle. Aber ist das überhaupt noch Queen?
Brian May: Natürlich ist das Queen! Weil Roger und ich dabei sind und wir sind Queen! Auch Freddie ist zu hören und sehen. Und Adam Lambert. Und der ist einfach großartig.

Was darf man heute vom Konzert erwarten?
May: Es ist eine großartige Show., Wahrscheinlich die größte, die wir je auf die Beine gestellt haben. 100 Prozent Queen! Das ist keine Nostalgie-Show, sondern echter und purer Rock ‘N‘ Roll.
Roger Taylor: Die Konzerte sind einfach wundervoll. Brian und ich sind ja seit Jahren ein eingespieltes Team und mit Adam gibt’s auch nie die Sorge, dass die Hits verhaut werden.
Adam Lambert: Ich bin durch Queen als Performer gewachsen und traue mich nun auch viel mehr. Bei unserem ersten Zusammentreffen vor knapp vier Jahren war ich noch schüchtern, doch Brian und Roger geben mir nun die Kraft, um die großen Fußstapfen der Legende Freddie Mercury mit Bravour zu füllen.

Adam, woher nehmen Sie diese Courage, diese nicht nur so bekannten, sondern auch komplizierten Songs zu singen?
Lambert: Der größte Adrenalinschub kommt vom Publikum. Es kennt doch jeder alle Queen-Hits auswendig. Das ist die halbe Miete. Ich muss das dann nur mehr fehlerfrei rüberbringen (lacht). Klar hätte das alles komplett in die Hose gehen, ja sogar peinlich werden können. Doch es funktioniert. Weil wir uns respektieren und eine echte Band sind.
Taylor: Das ist nun ein Dream-Team. Denn Adam kann einfach alles und daher wurden schon alle vorangegangenen Konzerte zum Triumph.

Was ist der Unterschied von Queen live 2015 zu großartigen Queen-Konzerten der 70er- Jahre?
May:
Das ist die beste Show, die wir je gemacht haben – und ich denke, dass auch Freddie das so sehen würde. Die Show ist gigantisch. Dazu spielen Roger und ich heute besser denn je zuvor. Wir haben eine bombastische Produktion. Die größte Show, die wir je auf die Beine gestellt haben.

Adam, wie haben Sie eigentlich Queen entdeckt?
Lambert:
Ich bin mit diesen Songs aufgewachsen. Es gibt doch kein Sport-Event ohne We Are The Champions. Diese Songs sind längst in unserer DNA. Und dann habe ich mir die Queen-Videos angesehen und es war um mich geschehen, denn es gibt nichts Besseres! So wie sich Freddie inszenierte und wie er mit dem Publikum umging. Das war einfach nur magisch.

2005 und 2008 tourten Sie mit Paul Rodgers. Warum ist nun Adam Lambert der bessere Sänger?
May:
Die Konzerte mit Paul waren großartig und wir werden uns ewig daran erinnern. Doch das war anders, weil wir auch seine Hits gespielt haben und damit eine etwas bluesigere Seite gezeigt haben. Doch mit Adam ist das nun wieder 100 Prozent Queen. Und genau das wollen wir auch. Er kommt aus der selben Schule wie wir und es gibt wohl keinen Queen-Song, den er nicht singen kann. Paul war da schon etwas limitierter.

Was macht Adam so besonders?
May:
Er ist natürlich nicht Freddie, aber vieles, was er tut, erinnert mich an den jungen Freddie. Er hat eine unglaubliche Power und ein Stimm-Volumen, das alle in den Schatten stellt.
Taylor: Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir nach Adam noch einen anderen Sänger brauchen oder gar wollen. Er ist perfekt.

Wird es in Folge auch eine CD mit Queen + Adam Lambert CD geben? Neue Songs?
Taylor:
Das Wichtigste sind nun die Konzerte. Wir erfinden uns gerade neu.
May: Wir genießen den Moment und schauen, was da noch kommen mag. Aber über neue Songs haben wir noch nicht gesprochen.

Wie viel von Freddies Spirit ist heute noch in Queen?
Taylor:
Freddie ist in unseren Gedanken immer dabei. Und er kommt natürlich auch heute beim Konzert vor.
Lambert: Jeden Ton, den ich auf der Bühne singe, und jeden Schritt, den ich dabei mache, denke ich an Freddie. Ich versuche dabei aber nicht, ihn zu kopieren –denn das wäre ein Sakrileg –, sondern möchte ihm gerecht werden.

Im Herbst haben sie das Duett There Must Be More To Life Than This mit Michael Jackson veröffentlicht …
May:
Es gab einige halbfertige Demos, die Freddie und Michael 1983 für ihre Soloalben gemeinsam aufgenommen haben, und daraus haben wir nun eine echten Queen-Hymne gebastelt. Das war ein bisschen wie Puzzle-Spielen oder Archäologie.
Taylor: Diese Songs hatten wir total vergessen. Doch jetzt sind wir froh, dass wir sie gefunden haben. Denn die Welt braucht neue Queen-Songs!

Gibt es denn noch weitere unveröffentlichte Songs?
May:
Es gibt einige Demos und Fragmente, die wir vielleicht irgendwann man veröffentlichen könnten.
Taylor: Es gibt auch eine andere Version des Jackson-Duetts. Eine bessere, aber die durften wir nicht veröffentlichen. Die wird wohl auf 
einem neuen Jackson-Album kommen.

Zuerst Freddie Mercury, dann Paul Rodgers, nun Adam Lambert. Wie unterschiedlich sind da die Arbeitsweisen?
Taylor:
Freddie war der kooperativste Mensch, den ich kannte. Er hat jede Idee von außen gefördert und war extrem flexibel. Es war ein Traum, mit ihm zu arbeiten. Paul war sehr in seiner eigenen Welt gefangen und Adam macht alles, was man ihm sagt (lacht).

Sie traten jüngst bei der Helene Fischer Show auf –- war das für Queen denn kein Abstieg?
May:
Ganz im Gegenteil! Dadurch wurden doch viele Fans in Deutschland und Österreich erst auf unseren neuen Sänger aufmerksam. Vorher wusste ja kaum jemand, wie gut er wirklich ist.

Brauchen Queen denn wirklich solche TV-Shows?
May:
Das hilft ungemein. Sogar in England. Da hatten wir ja schon 2012 einige Konzerte mit Adam gespielt doch außerhalb der Fan-Szene konnte trotzdem kaum wer etwas mit ihm anfangen. Selbst viele meiner Freunde fragten mich „Kann der wirklich was?“ Und dann hatten wir diesen einen Aufritt bei X-Factor und dadurch hat sich alles geändert. Jetzt sagen alle nur mehr: “Fuck, wie großartig ist euer neue Sänger!”

Warum tun sie sich das noch an. Mit all den Millionen könnten sie doch längst ihren Erfolg in Rente genießen?
May:
Wir müssen das längst nicht mehr machen, aber wir wollen und können es. Und die Fans lieben es. Für viele ist es ja die einzige Chance, Queen live zu sehen, da Freddie leider so früh von uns gegangen ist.
Taylor: Was sollte ich den sonst machen? Auf einer meiner Jachten vor Langeweile sterben? Nein. Ich will auf die Bühne!

Was macht eigentlich ihr Bassist John Deacon?
May:
So weit ich weiß geht es ihm gut, aber ich habe ich nun schon längere zeit nicht gesehen. Er hat sein volles Ok für diese Tour gegeben, sonst würden wir sie nicht machen. Doch außer für Finanz-Meetings sehen wir uns kaum. Er will seine Ruhe und vom Rock’n’Roll nichts mehr wissen und das respektieren wir.

Adam, wie oft fragen sie sich, ob das nicht alles nur ein Traum ist?
Lambert:
Jeden Tag, denn das ist wirklich mehr als surreal. Ein Geschenk Gottes. Ich ertappe mich immer wieder dabei wo ich mir denke „oh mein Gott, passiert das nun wirklich?“ Singe ich wirklich mit meiner Lieblings-Band meine Lieblings-Hits? Verdiene ich das überhaupt? Das ist eine irrsinnige Ehre und ich bin auch sehr demütig. Auch dass mich die Fans akzeptieren.

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