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Campino: “Es kämpft immer die Vernunft gegen den Wahnsinn”

30 Jahre Die Tote Hosen, die Erfolgs-Tour, der Überhit Tage wie Diese, der 50. Geburtstag, die Zukunft – es gibt viel zu bereden. Das Interview zum Frequency Festival

Alt aber gut! Just zum 30-jährigen Bandjubiläum drehen die Toten Hosen noch einmal groß auf. Mit Tage wie Diese lieferten Campino und Co. den Hit der Saison: Dazu gab‘s ausverkaufte Konzerte am Novarock, in der Stadthalle, in Graz und im Burgtheater. Jetzt kommt Altes Fieber, der Auftritt am Frequency in St. Pölten (17. 8.) und das große WEGOTIT-Interview. Campino spricht!

2012 war ein Wahnsinns Erfolgsjahr für die Hosen …
Damit haben wir auch nicht gerechnet, das hat uns selbst völlig überrascht. Aber es gibt keine Schlüsse daraus zu ziehen. Wir genießen das jetzt in diesem Moment. Wir haben in unserer Bandgeschichte schon viele Hochs und Tiefs erlebt und wissen, dass solche Dinge immer nur Momentaufnahmen sind. Und beim nächsten Album bist du wieder beim Nullpunkt und musst dir quasi alles von vorne erarbeiten. Da ist dieser Ruhm von vorgestern wirklich nicht mehr viel wert. Aber zurzeit haben wir einen unglaublichen Lauf und die Leute können sich alle auf uns einigen. Es ist ein ganz großes Glücksgefühl, was wir momentan haben.

Ihr Highlight des Jahres?
Das kann ich nicht sagen. Es gibt Jahre, da scheint dann wirklich alles zu passen. Die Re- alität da draußen hält aber trotzdem nicht an, nur weil wir auf Tournee sind. Auch in diesem Jahr nicht. Es ist auch bei uns so, dass gute Freunde im Umfeld schwere Unfälle haben, sterben usw. und das muss man auch kompensieren. Ich glaube, dass diese Momente dann einen immer wieder zurechtrücken. Da gibt es die Musik, die unheimlich gut läuft aber andererseits, was ist das im Verhältnis zu wirklichen Tragödien oder Geschehnissen im Leben. Da kommt der Erfolg schnell wieder auf die korrekte Größe zurück.

Das klingt nun sehr wehmütig. Denken Sie denn ans aufhören?
Warum sollen wir jetzt gerade das Gefühl ha- ben, aufzuhören? Wir verstehen uns in der Band alle super gut, auch in der Crew herrscht eine unheimlich schöne Stimmung. Das macht Spaß und von da her würde man gerne noch länger unterwegs sein.

Auch weil man Verantwortung für das Team dahinter verspürt? Weil die Hosen quasi fast schon eine Firma sind?
Absolut! Das ist ein Riesenunternehmen. Da ist sogar eine Küche mit, da müssen 100 Leute gut verpflegt werden, weil sie auch extrem hart arbeiten. Morgens von 4 Uhr früh bis spät in die Nacht.

Der Fokus liegt aber meistens auf dem Sänger, also bei Ihnen…
Bewusst ist mir schon, dass es ein paar Positionen gibt, die ersetzbar sind. Wenn zum Beispiel einer der Beleuchter krank ist, dann kann man den mehr oder weniger ersetzen. Und dann gibt es ein paar Jobs, wenn da einer ausfällt, kracht der Laden erstmals zusammen. Und das sind sicher die fünf Protagonisten auf der Bühne. Die müssen deshalb ein bisschen besser auf sich aufpassen. Die müssen aufpassen, dass sie nicht bei jeder Zimmerparty die Letzen sind, die nach Hause gehen. Aber das haben wir mittlerweile begriffen. Und es freut mich auch, dass wir das dieses Jahr sehr gut durchgehalten und diszipliniert gelebt haben. Aber das fällt nach wie vor nicht leicht. Die Leute unterstellen uns ja, dass wir älter geworden sind, aber im Grunde kämpft immer die Vernunft gegen den Wahnsinn.

Die komplette Tournee ist ausverkauft…
Das ist überraschend. Jetzt wollen wir dieses Vertrauen der Fans einfach auch mal zurückgeben. Wir wollen eine gute Saison hinlegen und keinen Etikettenschwindel begehen. Es ist immer noch ein gutes hartes Rock-Konzert. Die Frage ist nur, wie lange kann man das so noch machen.

Stellen Sie sich diese Frage?
Manchmal. Nicht zwanghaft, aber ich war auch schon auf einem Rolling Stones Konzert (2007) und da sieht man, dass die älter werden und dass auch das Publikum älter wird. Man sieht die Veränderung. Als wir Anfang der 90er bei denen im Vorprogramm spielten, da waren sie etwa so alt wie wir jetzt, und da hatten sie es echt noch drauf. Da waren das noch Cracks. Die haben es da noch ernst gemeint und die konnte man auch noch ernst nehmen. Doch heute zieht man den Hut vor dem Mythos und zollt der Legende Respekt, aber es kann natürlich nicht mehr den Druck von damals haben. Sollte es glaub ich auch nicht. Aber diese Stufe sind wir noch nicht gegangen.

Wer wird Ihnen in 20 Jahre sagen, dass es nun langsam peinlich sein könnte?
Ich glaube, bei uns wird es nicht so weit kommen. Ich kann es mir nicht vorstellen. Aber das hat man mich schon gefragt, als ich 23 war. „Ob ich mit 30 noch Musik machen würde?” Und ich habe schon damals gesagt: “Das ist außerhalb meiner Vorstellungskraft”. Aber vielleicht passiert es ja doch.

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