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So rockt der Queen-Film

Mehr Liebesfilm als Queen-Biografie und doch viele unnötige Fehler. Ab 31-OKT zeigt Bohemian Rhapsody das Leben und Leiden von Freddie Mercury im Kino. Die WEGOTIT-Kritik von der Weltpremiere – ACHTUNG SPOILER:

Die 1974er US-Tournee mit Fat Bottomed Girls, das erst 1978 veröffentlicht wurde, Live Aid als großer Queen-Abschied (danach gabs noch eine Tour und drei Alben) oder die große Südamerika-Tour (1981) vor We Will Rock You (1977) – der neue Queen-Film Bohemian Rhapsody strotzt vor vermeidbarer Fehler – konnte aber gestern (23-OKT) bei der Weltpremiere in der Londoner Wembley Arena trotzdem als emotioneller Hollywood-Schinken überzeugen. WEGOTIT war live dabei.

Ein Hauch von Rock-Konzert für Hollywood: nach fast zwei-stündiger Red-Carpet-Show zogen Brian May, Roger Taylor und die Stars der Queen-Verfilmung – von Rami Malek bis Waynes-World-Legende Mike Myers – unter standing Ovations von 6.500 Fans (ausverkauft!) in die Wembley Arena ein und ließen um exakt 20.57 Uhr den Musikfilm des Jahres vom Stapel:

Nach der 20th Century Fox Fanfare, die Queen für den Soundtrack neu eingespielt haben, sieht man Freddie Mercury in Bett seiner London Villa erwachen. Er schreitet vorbei an seinen sieben Katzen zum Kleiderschrank und steigt danach in eine Rolly Royce Limousine. Am Weg zu Live-Aid. Schnitt. Rami Malek lässt danach 142 Minuten lang in einer Oscar-würdigen Darbietung den unsterblichen Freddie Mercury von Flughafen-Arbeiter zum größten Rockstar aufsteigen – zeigt ihn aber auch als extravagantes, größenwahnsinniges Arschloch. Seine Queen-Kollegen sind dabei in der zwischen Wahrheit und Märchen schwankenden Biografie jedoch großteils nur Staffage. Roger Taylor (Ben Hardy) wird meist nur zum streitbaren Frauen-Held (jede Szene ein bis drei neue Groupies) degradiert, Brian May (Gwilym Lee) darf sich als großer Band-Mediator aufspielen und John Deacon (Joseph Mazzello) punktet mit trockenem Humor.

Deutlich präsenter als die Band, die sich im Film eigentlich fast nur beflegelt, wird Freddies Liebes-Leben dargestellt: Mary Austin (Lucy Boynton) hat sein Herz noch vor dem ersten Queen-Konzert im Sturm erobert und wird auch bald mit einem Heirats-Antrag überrascht: „Den Ring werde ich ewig tragen.” Doch nach nach dem Outing (Freddie: „Ich bin bisexuell“ – Mary: „Nein, du bist schwul“) gibt sie ihm den Verlobungs-Ring wieder zurück. Mit ein Grund warum Freddie im Film angetrieben von seinem Boyfriend Paul Prenter (Allen Leech) immer mehr in die Schwulen- und Drogen-Szene abdriftet – vom gefeierten Star zum „einsamen Arschloch“ (O-Ton). Eine klassische Hollywood-Übertreibung, die mit einer Drogen-umnachteten Presse-Konferenz, der Quasi-Band-Auflösung rund um seine Solo-Album Mr. Bad Guy („Für 4 Millionen Dollar hast du uns verkauft,“ so Deacon) und dem Aids-Test, seine dramaturgisch spannenden, aber völlig aus den Haaren gegriffenen Höhepunkte findet.

Erst als er sich 1984/85 bei den Aufnahmen zur einer zweiten CD (die es so niemals gab) in München vor Erfolgsruck zum Wrack kokst bringt ihn Mary, mittlerweile anderwertig verheiratet und schwanger, wieder zur Vernunft. Paul Prenter wird endlich gefeuert und die Band um Vergebung gebeten. Man bettelt bei Bob Geldof um einen Auftritt bei Live Aid – in Wahrheit war es umgekehrt – und feiert dort nach verheerender Probe – Freddie kann von der Krankheit gezeichnet kaum singen (auch das gab es in Wahrheit so nicht) – das große Comeback und Finale. Mit vier Songs – Bohemian Rhapsody, Radio GaGa, Hammer To Fall und We Are The Champions – verhältnismäßig (zu) lange, dafür werden die sechs weiteren Jahre gar nicht mehr gezeigt, denn zu einer neuen Version von Don’t Stop Me Now läuft schon der Abspann.

In Summe steht bei Bohemian Rhapsody Freddie weit über seinen Queen-Kollegen und die Dramaturgie vor der Wahrheit, doch wenn man über die Fehler hinwegsieht bleibt ein spannender und emotioneller Film mit grandioser Musik.




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